24 Stunden im Ausnahmezustand: Berufsfeuerwehrtag

Die Jugendgruppe Hohen Neuendorf im 24-Stunden-Dienst
24-Stunden-Dienst

Wenn Jugendliche zu echten Einsatzkräften werden.

Großes Berufsfeuerwehr-Wochenende der Jugendfeuerwehr Hohen Neuendorf forderte vom Nachwuchs vollen Einsatz: Von Verkehrsunfällen über nächtliche Süßigkeitentransporte bis hin zu echten Brandübungen 

Es riecht nach frisch gekochten Hotdogs und einer gesunden Mischung aus Aufregung und Vorfreude. Als am Freitag die Einteilung auf die Fahrzeuge erfolgt, schlägt das Adrenalin bei den 19 Jugendlichen im Alter von 10 bis 16 Jahren spürbar nach oben. Für sie beginnt das wohl aufregendste Wochenende des Jahres: Ein kompletter 24-Stunden-Dienst im echten Feuerwehr-Rhythmus, bei dem fünf knifflige Übungseinsätze auf dem Plan stehen.

Was nach purem Chaos klingt, ist bis ins kleinste Detail durchgeplant. Unterstützt von bis zu 15 erfahrenen Betreuern und Jugendwarten schlüpft der Nachwuchs in die Rolle von Berufsfeuerwehrmännern und -frauen. Ausgerüstet mit kompletter persönlicher Schutzausrüstung (PSA) und verteilt auf ein Löschgruppenfahrzeug (LF20) sowie zwei Mannschaftstransportfahrzeuge (MTF) heißt es für die jungen Retter: Bereit sein für den Ernstfall.

Von Karambolagen und süßer Fracht

Schon der erste Abend hat es in sich: Die Melder schrillen zum ersten simulierten Verkehrsunfall. Ein Pkw mit Personenschaden blockiert die Fahrbahn. Die Jugendlichen beweisen Teamgeist, sichern die Einsatzstelle gegen den fließenden Verkehr ab, leuchten die Szenerie taghell aus und wenden lehrbuchmäßig die ABS- und AUTO-Regel an. Dank des geschickten Einsatzes eines Federkörners beim Glasmanagement und professioneller Unterstützung durch einen mitfahrenden Krankentransportwagen (KTW-B) des DRK wird die verletzte Person schonend über die geöffnete Fahrertür gerettet.

Nach der Bettenvorbereitung folgt am späten Abend ein humorvoller Einsatz: Ein verunglückter „Süßigkeitentransport“ muss geborgen werden. Die Jugendliche beseitigen die Ladung höchst motiviert und direkt vor Ort, bevor es zurück in die Betten geht.

Großbrand am Morgen und Nullsicht im Gymnasium

Am frühen Morgen steigt dicker Rauch auf: Auf einer Freifläche brennt ein gestapeltes Palettenhaus. Mit drei C-Rohren gehen die Jugendlichen im Außenangriff vor, während die Drehleiter (DLK) die Einsatzstelle ausleuchtet. Das DRK ist wieder zur Eigenabsicherung und Patientenbetreuung an ihrer Seite.

Nach dem gemeinsamen Frühstück führt der Weg das Team in ein Gymnasium. Hier wartet eine doppelte Herausforderung: Im Kriechkeller müssen zwei vermisste Personen aufgespürt werden. Um den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen, tragen die Jugendlichen Schlafmasken – eine realitätsnahe Simulation völliger Nullsicht. Dank permanenter 1:1-Betreuung durch Erwachsene und direktem Sprechkontakt verliert jedoch niemand die Orientierung. Parallel dazu bereiten die Jugendlichen am Boden die Krankentragehalterung für die Drehleiter vor, um eine Patientenrettung aus dem 2. Obergeschoss zu simulieren.

Gefahrloser Gasaustritt zum Finale

Nach der wohlverdienten Mittagspause und einer kurzen Erholung ruft der letzte Einsatz des Tages: Ein simulierter Gasaustritt an einem Anhänger. Die Jugendlichen messen mit Gasmessgeräten die Gaskonzentration und stoppen das Leck fachgerecht. Auch hier wurde eine Person betreut und erlangte Erste-Hilfe-Kenntnisse mussten angewendet werden.

Als die Fahrzeuge gewaschen, die Gerätschaften wieder vollständig verlastet und die Wache aufgeräumt ist, blickt man in müde, aber überglückliche Gesichter. Die Jugendlichen haben an diesem Wochenende nicht nur bewiesen, dass sie wissen, wie man ein C-Rohr bedient oder Einsatzstellen absichert, sondern vor allem eines: Was echter Zusammenhalt und Teamarbeit bedeutet.

Jacob Warneke, Jugendfeuerwehrwart Hohen Neuendorf