Schweiß, Stolz und Zusammenhalt

Landesmeisterschaft in Angermünde, freier Himmel und ein Sportplatz, der gestern zur Bühne für Bergfelde wurde. Wer dabei war, weiß: Sport auf diesem Level ist selten eine glatte Angelegenheit. Es ist das Warten zwischen den Durchgängen, der Wind oder Sonne, der einem in die Quere kommt und dieser ganz spezielle Fokus, den man nur beim Wettkampf findet. Hier sind die Momente, die mehr über den Tag aussagen als jede Ergebnisliste.
Als ich gegen 13 Uhr eintraf, übte Bergfelde gerade ein letztes Mal, bevor es in die Pause ging. Es war diese typische Stimmung auf dem Platz: Konzentrierte Abläufe, letzte Korrekturen und ein paar tiefe Atemzüge, um die Nervosität wegzuschieben.
Der A-Teil: Präzision trifft Hindernisparcours
Nach der Pause ging es direkt mit dem A-Teil los. Hier wurde nichts dem Zufall überlassen, denn alles musste exakt laufen, wie es in der der Feuerwehrdienstvorschrift 3 geschrieben steht. Die Gruppe, bestehend aus Angriffstrupp, Wassertrupp, Schlauchtrupp, Maschinist, Melder und Gruppenführer, musste eine Wasserentnahme aus einem „offenen Gewässer“ aufbauen.
Das Ziel: Alle drei Anschlüsse am Verteiler mussten belegt werden. Doch der Weg dorthin war kein Sprint auf ebener Strecke. Zwischen den Handgriffen wartete ein Parcours, der volle Konzentration forderte: einen Sprung über den Wassergraben, mit Tempo durch den Kriechtunnel, über die Leiterwand und das Überwinden einer Hürde. Es war beeindruckend zu sehen, wie das Team trotz der körperlichen Anstrengung an den Hindernissen die Konzentration für die fehlerfreie Kupplungsarbeit behielt. Jeder Handgriff saß, jedes Kommando wurden klar und laut gerufen. In diesen Minuten in Angermünde wurde deutlich, dass hier wochenlanges Training in Millisekunden und exakte Abläufe abgerufen wurde.
Der B-Teil: 400 Meter Adrenalin
Nach einer kurzen Verschnauf- und Trinkpause folgte der B-Teil: Der 400-Meter-Hindernislauf, aufgeteilt in neun Etappen. Hier ging es nicht mehr nur um technische Abläufe, sondern um Tempo, Geschick und echten Teamgeist unter Zeitdruck.
Während die ersten Läufer die ersten 100 Meter im Vollsprint mit dem Staffelstab hinter sich ließen, wurde es beim dritten Abschnitt knifflig – hier musste ein C-Druckschlauch sauber aufgerollt werden. Dass Bergfelde hier auf Qualität setzt, wurde sofort belohnt:
Unser Läufer erntete für seinen perfekt aufgerollten Schlauch sogar ein direktes Lob vom Schiedsrichter – in einem so streng bewerteten Wettbewerb eine echte Auszeichnung.
Weiter ging es über das Laufbrett, während an anderer Stelle Geduld gefragt war: Läufer 5 lag so lange bewegungslos auf einer Krankentrage, bis der Stab ihn erreichte. Erst dann hieß es: Schmalgurt, Schutzhelm und Handschuhe anlegen – und zwar so schnell wie möglich, denn erst wenn die Ausrüstung saß, durfte der Sprint weitergehen.
Die Schlussphase verlangte dann noch einmal höchste Konzentration: An den Abschnitten 7 und 8 mussten C-Druckschlauch und CM-Strahlrohr ohne Übergriff gekuppelt werden. Direkt im Anschluss folgte die Königsdisziplin der Knoten: Der doppelte Ankerstich am Strahlrohr mit Halbschlag. Während die Leine flog, wartete schon der letzte Läufer. Mit dem Leinenbeutelwurf exakt zwischen zwei Stangen hindurch über die Ziellinie endete dieser kräftezehrende Lauf.
Das Herz von Bergfelde: Mehr als nur ein Wettkampf
Was man auf den offiziellen Zeitnahme-Bögen nicht sieht, ist das, was sich am Rand der Bahn abspielte. Bevor es zum ersten Teil auf den Platz ging, traf sich die Mannschaft im Kreis beim gemeinsamen Warmmachen. Ein Moment der Ruhe vor dem großen Sturm.
Doch die größte Anspannung lag vermutlich gar nicht bei den Kindern, sondern beim Team dahinter. Die Betreuer und einige Eltern fieberten bei jeder Sekunde, jedem Sprung und jedem Knoten so intensiv mit, dass man glauben konnte, sie stünden selbst mit auf der Bahn. Besonders Jugendwart Gideon war in jedem Moment voll dabei. Sein Mitfiebern war fast schon greifbar.
In den Pausen zeigte sich dann der wahre Zusammenhalt: Es wurde sich hervorragend um die Kinder gekümmert, jeder Durchgang wurde kurz analysiert und egal wie anstrengend es war – es „hagelte“ Lob von allen Seiten. Die Krönung waren jedoch die Plakate, welche die Betreuer extra am Freitagabend gebastelt hatten. Sie hielten bei jedem Antreten stolz in die Höhe, um „ihren“ Kindern zu zeigen: Wir stehen hinter euch, egal was passiert.
Das große Aufatmen: Ein Platz auf dem Treppchen
Dann kam der Moment, auf den alle hingearbeitet hatten: die Siegerehrung. Die Spannung auf dem Platz war fast körperlich spürbar. Als die Plätze neun bis vier aufgerufen wurden, hielten wir immer wieder den Atem an. Mit jedem Ort, der genannt wurde und nicht Bergfelde hieß, wuchs die Hoffnung – und bei jedem Mal atmeten wir ein Stück mehr auf.
Dann die Erlösung: Platz 3!
Der Jubel kannte keine Grenzen. Wir waren unfassbar stolz und glücklich, diesen Pokal mit nach Hause nehmen zu dürfen. Dieser Erfolg kam nicht von ungefähr: Die Kinder haben zehn Samstage lang, jedes Mal direkt nach ihrem regulären Jugenddienst, zusätzlich geübt.
Jede Stunde auf dem Platz, jedes Schlauchrollen und jeder gelaufene Meter hat sich in diesem Moment ausgezahlt. Dieser dritte Platz gehört der Jugendfeuerwehr Bergfelde. Ein Erfolg aus Fleiß, Ausdauer und einem Team, das niemals aufgegeben hat.
Am Ende des Tages in Angermünde bleibt vor allem dieses Gefühl: In Bergfelde gewinnt und verliert man nicht allein – man ist ein Team, von der ersten Schlauchwindung bis zum letzten Plakat.
Emily Philipzig
Verantwortliche Öffentlichkeitsarbeit
Kreisfeuerwehrverband Oberhavel e.V.
André-Pican-Straße 41
16515 Oranienburg

